Sonntag, 27. Juli 2014

Ich schreibe einen Roman - Logbucheintrag #7

Irgendwann ist Schluss
Warum es keinen Spaß macht, Self-Publisher zu sein.

Als Self-Publisher bist du frei, du kannst alles bis ins kleinste Detail selbst bestimmen vom Cover über die Werbung bis zum Preis deines Buches. Der Nachteil: Self-Publisher zu sein ist ein Full-Time-Job. Frei zu sein bedeutet nicht immer auch mehr Zeit zu haben!

Das Amazon Kindle-Direct Publishing-Programm hat mich in diese ganze Szene reingezogen. Ich fand es unheimlich klasse, selbst ein Buch zum Verkauf anbieten zu können. Das ist es auch! Aber wenn man ernsthaft Bücher verkaufen möchte und das nicht nur so zum Spaß macht, muss man früher oder später auch dafür Werbung machen. Wer nicht wirbt, stirbt! Das ist gerade unter den Self-Publishern wichtig, weil wirklich JEDER heutzutage seine Texte auf irgendwelche Plattformen laden und verkaufen kann. Der Konsument wird geradezu überschüttet und damit meine ich noch nicht mal Gratis-Ebooks usw. die einem hinter jedem Pop-up-Fenster um die Ohren schleudern.
Werbung für die eigenen Bücher zu machen frisst sehr viel Zeit, wenn man es richtig machen will. Dazu gehört nämlich nicht, einfach irgendwelche Links zur Verkaufsseite auf allen möglichen Plattformen zu posten als gäbe es kein Morgen. Insgeheim hoffe ich ja, dass ihr das auch weiterhin macht, damit ich noch besser aus der Masse heraussteche! ;) Nein, das ist zu plump und darauf hat auch niemand Bock. Werbung auf Facebook und Twitter und all den anderen Plattformen zu machen erfordert Einfallsreichtum und Zeit. Man muss sich immer neue Dinge überlegen. Was gefällt den Lesern? Welche Bilder teile ich auf Facebook, was schreibe ich auf Twitter? Das ist nicht mal eben in der Mittagspause durchgeplant.
Ich würde jetzt am liebsten schreiben, dass ein Verlag diese ganze Arbeit für einen übernimmt, aber ich habe schon öfter gehört, dass dem nicht so ist. Liebe Verlage, ändert das! Wir leben in einer digitalen Welt. Eure Leser schauen Videorezensionen auf Youtube, sind vernetzt auf Facebook und Twitter und wollen dort gute Inhalte sehen. Und sie folgen denjenigen, die gute Inhalte liefern, so einfach ist das! Auch diese Logbücher schreiben sich nicht von selbst. Einmal die Woche muss ich was Gutes raushauen, das braucht Zeit! Ebenso muss ich mir für meinen Newsletter jeden Monat was spannendes einfallen lassen!

Für meine letzte Veröffentlichung, den 2. Band von "Kurzgeschichten aus Nuun", habe ich drei Wochen vor Release mit der Promophase begonnen. In diesen drei Wochen habe ich nur noch vorm Computer gesessen, Grafiken für Facebook, Twitter, Instagram usw. erstellt, die ich täglich veröffentlicht habe. Jeden Tag habe ich dadurch meine Follower auf allen Kanälen mit interessanten Infos versorgt und immer wieder darauf hingewiesen, dass am 15. November meine neues Buch erscheint. Ich habe sogar Videos aufgenommen, in denen ich einen Teil der Geschichten vorgelesen habe. Das alles zu stemmen war gar nicht lustig! Ich war so glücklich, als ich den Veröffentlichungstermin endlich erreicht hatte. An diesem Tag und den Tagen danach haben sich 3 Leute das Buch gekauft, was ziemlich ernüchternd war. In solchen Momenten entscheidet sich dann, ob man sich das überhaupt noch antun möchte als Self-Publisher.

Die Veröffentlichung dieses 2. Bandes hat mich auch jede Menge Geld gekostet. Dabei hatte ich dem Buch "nur" ein professionelles Korrektorat sowie ein Buchcover von der tollen Elif Siebenpfeiffer spendiert. Diese Kosten reinzuholen wird unheimlich lange dauern, glaubt mir. Ein Verlag hätte all das für mich übernommen!
Ein Verlag ist auch für die Werbung zuständig. Offline-Werbung kostet mich als Mediengestalter sehr viel Zeit, wenn ich z.B. einen Flyer gestalte. Andere Self-Publisher, die gestalterisch nicht so begabt sind, engagieren einen guten Grafiker, der das erledigt und müssen dafür Geld hinlegen. Und damit erreichen wir letztendlich nicht mal annähernd so viele Menschen, wie es ein Verlag könnte mit seiner Werbung.
Und wisst ihr, was wir machen könnten, während der Verlag mal eben eine Anzeige schaltet? Wir könnten schreiben! :)

Als Self-Publisher hast du keine Hobbies mehr!

Schwierig wird es als Self-Publisher, wenn man auch noch einen Partner hat. Vor kurzem habe ich meiner Freundin per WhatsApp eine gute Nacht gewünscht und als Antwort kam "Gute Nacht, Fremder!". Das ist scheinbar das nächste Level, das ich erreicht habe. Neben meinem 8-Stunden-Job und einer Beziehung auch noch selbst Bücher schreiben und bewerben wollen ist kein Zuckerschlecken. Glaubt mir, das muss man aushalten können und auch der Partner muss Verständnis dafür haben, sonst klappt das nicht! Also im Zweifel lieber einen Gang runterschalten. Auch ich war zeitweise schon echt nicht mehr zu ertragen, weil ich mir natürlich auch selbst Druck mache bezüglich meines aktuellen Romanprojekts. Da ist sie wieder, diese Ungeduld, die man immer mit sich selbst hat. Im Zweifel solltet ihr euch immer auf das Schreiben konzentrieren und nur wenn ihr ein bisschen zusätzliche Zeit habt, euch dem Marketing widmen. Habt ihr überhaupt keine Lust auf "Selbstwerbung", sucht euch einen Verlag, der euch vieles abnimmt und ihr mehr Zeit habt zum Schreiben! :)

Wie sehst du das? Bist du Self-Publisher und hast die gleichen Probleme? Hast du vielleicht sogar Lösungen dafür? Oder bist du Verlagsautor und kannst aus dieser Sicht berichten?
Ich bin sehr gespannt auf deinen Kommentar!


Gehabt euch wohl und meidet die Dunkelheit, liebe Leser!




Sonntag, 20. Juli 2014

Ich schreibe einen Roman - Logbucheintrag #6

Benjamin Spang: Hat seinen
eigenen Kopp
Foto: Mark Lissmann
Warum es total geil ist, Self-Publisher zu sein.

Oft habe ich mir die Frage gestellt, aber vor ein paar Tagen ist mir klar geworden, dass ich im Moment gar keine Lust habe, bei einem Verlag unterzukommen.
Immer wieder beobachte ich bei meinem Vollzeit-Job als Mediengestalter, dass Projekte nicht so toll werden, wie sie es hätten werden können. Die Gründe: Zeit, Geld und Qualität müssen sich die Waage halten. Und letzteres bleibt dann meist auf der Strecke, weil das primäre Ziel nun mal lautet: Geld verdienen und möglichst viel Zeit sparen. Ganz oft ist es auch der Kunde, der seinen Kopf durchsetzen will, und das coole Projekt so sehr beschneidet, das am Ende doch wieder nur 0815-Ware dabei herauskommt. Ekelhaft!

Umso mehr genieße ich es als verlagsunabhängiger Autor (Self-Publisher), dass mir beim Schreiben und Veröffentlichen meiner Bücher niemand reinredet. Natürlich nehme ich Ratschläge und Kritik gerne an, vor allem was das Korrektorat und Lektorat angeht. Aber ob ich diese Ratschläge dann auch umsetze bleibt meine Sache. Welche Geschichten schreibe ich? Wer ist meine Zielgruppe? Wie mache ich mein Marketing? Mit welchen Leuten gebe ich mich ab, mit wem arbeite ich zusammen? Wer macht mein Korrektorat und Lektorat? Wie sieht das Cover meines Buches aus? Das liegt alles in meiner Hand. Ich kann tun und lassen was ich will, kann selbst entscheiden, muss aber mit den Konsequenzen leben. Die heißen in diesem Falle: Kosten. Das Korrektorat kostet Geld, ebenso sich ein Buchcover zeichnen zu lassen. Alles hat seinen Preis und seine zwei Seiten. Wenn ich Qualität abliefern will, muss ich in allen Bereichen, in denen andere besser sind als ich, die bestmöglichen Leute mit ins Boot nehmen. Und dafür bezahle ich gerne!

"Das hier ist meine Show!"

Einen Verlag muss ich ja überhaupt erstmal überzeugen mit meinem Werk. Passt es nicht in das Verlagsprogramm oder die Zielgruppe, wird es aussortiert. Unabhängig davon, wie gut die Geschichte ist! Im besten Falle bekommt man nach ein paar Monaten eine Absage. Bei einem Verlag wird für mich bestimmt, wie das Cover auszusehen hat, vielleicht darf ich mir aus drei Varianten eines aussuchen.
Auf der anderen Seite hat ein Verlag ein besseres Gespür dafür, wie das Cover für die Zielgruppe am besten aussehen sollte und er übernimmt die Kosten dafür. Ebenso bezahlt er das Korrektorat und das Lektorat. Wem das wichtig ist, sollte sich nicht scheuen, einen Verlag zu suchen. Für mich ist meine Freiheit, zumindest im Moment, wichtiger. Es macht richtig Spaß, alles selbst zu steuern. Marketing macht mir ebenso viel Spaß, wie das Schreiben selbst. Sich immer neue Dinge auszudenken, wie man seine Leser überraschen und begeistern kann, ist in beiden Bereichen möglich. Ich kann mir heute Abend ein tolles Gewinnspiel auf Facebook überlegen, um meinen Fans zu danken, und das morgen schon umsetzen. Das hier ist meine Show und ich genieße das enorm! :)

Wie seht ihr das? Werden eure Bücher über einen Verlag veröffentlicht? Wenn ja, was bestimmt ihr selbst, wo werdet ihr bevormundet? Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare und lasse mich auch gerne eines besseren belehren!

Gehabt euch wohl und meidet die Dunkelheit, liebe Leser!




Sonntag, 13. Juli 2014

Ich schreibe einen Roman - Logbucheintrag #5

Großartiger, kostenloser Kurs: The Future of Storytelling
Das Grundgerüst einer Geschichte.

Nachdem ich von den ersten Testlesern die Kritik zu meinem Roman erhalten hatte, saß ich auch schon wieder vor Scrivener, um mein Stufendiagramm zu überarbeiten. Dieses Diagramm ist eine kurz gehaltene Übersicht über den Handlungsablauf, den Plot des Romans. Arbeite ich diese Übersicht aus, wird daraus die Handlung und die Abfolge des fertigen Buches. Wie fängt er an? Wann passiert was? Diese und weitere Fragen muss ich in dieser Phase beantworten.

Story vs. Plot

Der Unterschied zwischen Story und Plot ist die Abfolge. Die Story beschreibt einfach den Ablauf von A bis Z in chronologischer Reihenfolge. Der Plot aber ist die Abfolge, wie uns die Geschichte präsentiert wird. Er kann auch in den Schritten A, C, B, H, Z, ... usw. erzählt werden, also quasi Dinge vorab zeigen oder im Nachhinein verraten. Memento z.B. erzählt die Geschichte rückwärts. Die Story ist von A bis Z, der Plot aber von Z bis A! Der Film beginnt mit dem Ende des Filmes.
Breaking Bad hatte zu Beginn zahlreicher Folgen Teaser, die dem Zuschauer Szenen aus zukünftigen Folgen oder sogar Staffeln gezeigt haben.

Warum macht man das?
Einfache Antwort: Dramaturgie. Ich als Autor baue damit die Spannung auf, ich erzähle Dinge, streue Informationen an die richtigen Stellen und wenn es soweit ist, löse ich die Fragen, die sich der Leser zwangsläufig stellen wird, auf. BOOM: PLOT-TWIST! Darth Vader ist der Vater von Luke! WTF? Hätte Star Wars damit begonnen (chronologisch), wäre das doch niemals so hart eingeschlagen, oder? Prinzessin Leia die Schwester von Luke? Nein, das verraten wir erst, nachdem sie sich geküsst haben! :) Ihr seht, damit lässt sich jede Menge Unfug treiben. Einfach ausgedrückt: Du als Autor hast die Macht, an bestimmten Stellen Fragen zu stellen und sie zum richtigen Zeitpunkt aufzulösen. Diese Macht nutzen du musst, junger Autor!
Star Wars ist eigentlich ein sehr gutes Beispiel dafür, denn schließlich kamen zuerst die drei letzten Filme in die Kinos: Epsiode 4, 5 und 6. Jahre später folgten dann Episode 1, 2 und 3 und erzählten u.a. wie Anakin Skywalker zur dunklen Seite der Macht wechselte und Darth Vader wurde.

Ich persönlich liebe es, dem Leser Infohappen zu geben, ihn vielleicht auch auf eine falsche Fährte zu locken, um ihn dann im nächsten Moment hinterrücks eiskalt zu erwischen. Das sind Gänsehaut- und Wow-Effekte, die meiner Meinung nach zu einer guten Geschichte gehören, wie das Amen in der Kirche.

Wann hattest du das letzte Mal beim Lesen eines Buches oder beim Anschauen eines Filmes einen echten WOW-Effekt? Wie hast du dich gefühlt? Warum war der Effekt so stark, was hat der Produzent dafür tun müssen? Schreibt es mir in die Kommentare! :)

Gehabt euch wohl und meidet die Dunkelheit, liebe Leser!




Sonntag, 6. Juli 2014

Ich schreibe einen Roman - Logbucheintrag #4

Klebezettel an meinem Monitor
Die Ungeduld beim Schaffensprozess.

"Wieso dauert das alles so lange?"
"Geht das nicht schneller?"
"Dafür brauche ich ja ewig!"

Diese Ungeduld beim Schaffensprozess ist glaube ich so ein Selbstwert-Ding. Man will ganz schnell Erfolge haben, um das Selbstwertgefühl zu steigern, und sich besser zu fühlen. Wenn ich gerade jetzt, wo ich diesen Text schreibe, darüber nachdenke, war das in der Vergangenheit immer ein recht kurzer Kick. Der Rausch verflog schnell, bald hatte ich schon das nächste Ziel vor Augen und war wieder unzufrieden. Vergangene Erfolge werden vergessen, das Spiel geht von vorne los. Damit lässt sich auch die Frage beantworten, warum ich schon seit Wochen, wenn nicht Monaten, meine Xbox nicht mehr angemacht habe. Ich kann das nicht mehr, mich hinsetzen, und etwas machen, was am Ende kein Resultat erzeugt. Ich bin nicht produktiv, was meine innere Stimme (vielleicht mein Selbstwertgefühl?) auf den Plan ruft und ich doch wieder am Computer lande, um zu schreiben oder Werbung für meine Bücher zu machen. Das ich damit geradewegs auf ein Burnout zusteuere, ist mir dabei auch bewusst.

"Bringen Sie mir ein Geduldsspiel, aber zack zack!"

Auch mein Geduldsfaden ist sehr kurz geworden in den letzten Monaten. Ich werde schnell böse, wenn etwas nicht gleich so funktioniert wie ich es will oder etwas anders läuft. Früher war ich nicht so. Verändert mich das Romanschreiben? Ach ja, der Roman. Der sollte am besten auch schon vorgestern fertig sein. Noch so etwas, was mich wahnsinnig macht. Es ist verdammt viel Arbeit, diese Arbeit kostet Zeit und sie kostet noch mehr Zeit, wenn ich ein wirklich gutes Buch veröffentlichen möchte. Ich glaube am besten kann man den Vergleich mit einem Seiltänzer ziehen, der die Balance halten muss. Die Balance zwischen Qualität und Perfektionismus. Ich muss den sicheren Mittelweg, das Seil finden, das Projekt in guter Qualität fertigzustellen, darf aber nicht zu perfektionistisch an die Sache herangehen. Bin ich ungeduldig, wird der Roman nicht die Qualität haben, die ich anstrebe. Bin ich zu perfektionistisch, sitze ich noch in 10 Jahren an dem Text. Das ist keine leichte Aufgabe!

Was denkt ihr darüber? Habt ihr auch manchmal das Gefühl, euch im Kreis zu drehen?

Gehabt euch wohl und meidet die Dunkelheit, liebe Leser!